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Was bringt mir Emotionale Kompetenz ?

Ich habe mich etwas im Internet umgesehen, um mich auf unser neues Monatsthema (in unserer XINGgruppe "Mensch im Wandel) einzustimmen und fand sinngemäß diese Erklärung:

Allgemein kann unter emotionaler Kompetenz die Fähigkeit verstanden werden, mit eigenen und fremden Gefühlen angemessen umzugehen. Dieser Mensch hat sich im Laufe seiner Entwicklung Strategien angeeignet mit Frust und Niederlagen umzugehen, resilient zu sein, auch um sich selbst in einer herausfordernden Situation im Gleichgewicht zu halten.

Dieser Mensch ist in der Lage echte Beziehungen und Bindungen einzugehen, verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein und kann bestenfalls auch die Bedürfnisse hinter den Gefühlen wahrnehmen. Die soziale Kompetenz geht also Hand in Hand mit der emotionalen Kompetenz, die auch an vielen Stellen emotionale Intelligenz genannt. Es geht hier um Wahrnehmen, Nutzung, Verstehen und Beeinflussung von Gefühlen.

Dazu braucht es Bewusstsein, ein Thema was mir besonders am Herzen liegt. Bewusstsein schenkt mir Klarheit und die Wahl, mich zu entscheiden.

Komme ich in eine herausfordernde Situation mit einem anderen, gleich-gültig ob in einem geschäftlichen Kontext oder in einer privaten Beziehung, nehme ich die Gefühle eines anderen, wie die meines Gegenübers wahr. Wenn ich einen Schritt zur Seite trete, kann ich das Spiel sogar ganz genau beobachten. Ich spüre, welche Knöpfe mein Gegenüber bei mir drückt oder drücken will, ich nehme meine Reaktionen darauf wahr: ich fühle körperliche Veränderungen (z.B. mir wird warm oder mein Bauch zieht sich zusammen, mein Puls steigt, mein Hals kann sich zusammenschnüren…), mein Verstand bietet mir sofort etliche Gründe und Vorlagen, die vielleicht meinen Glaubensmustern entsprechen, meinen Erwartungen und Vorstellungen, die ich von mir und meiner Welt habe. Und ich nehme die Mimik, Gestik, Sprache und Ausdruck meines Gegenübers wahr, interpretiere und vermute, kenne solche Gespräche oder Vorwürfe ja schon, hab damit schon viele Erfahrungen machen müssen…Und schon nehme ich die Einladung zu einem gemeinsamen Tanz an, bin den Mustern, mit seinen Regeln und Gefühlen ausgeliefert.

Oder

Ich nehme all dies wahr, doch ich entscheide mich bewusst, diese Einladung nicht anzunehmen, dieses Spiel nicht mehr mitzuspielen.

Ich erlebe die Situation zunächst genauso wie oben beschrieben, doch ich nehme die Möglichkeit wahr, mich anders zu verhalten. Das dies auch zu sehr starker Irritation auch bei meinem Gegenüber führt ist nachvollziehbar.

Doch bleiben wir erst noch mal bei uns. Solch eine Verhaltensänderung setzt voraus, dass ich mich gut kenne, keine Angst vor meinen Gefühlen habe. Gefühle haben immer einen Grund und so habe ich gelernt sie wertzuschätzen. Wenn ich mir jetzt noch die Zeit nehme, inne zu halten, in mich hinein zu spüren, um wahrzunehmen, was sich hinter den Gefühlen verbirgt, welches Bedürfnis da gestillt werden will, begebe ich mich schon auf eine völlig andere Ebene.

Mir wird klar, warum ich in einer bestimmten Situation so reagiere und warum mein Gegenüber mich durch sein Verhalten darauf aufmerksam macht ;-)

Schon diese Erkenntnis ändert meine Einstellung zu der Situation in der ich mich befinde. Ich kann sie akzeptieren, ich kann sie vielleicht sogar in Liebe annehmen, auch wenn ich mich verletzt oder verärgert fühle. Ich verstehe dann, dass dies angemessene Gefühle und Reaktionen sind OHNE aber in ihnen verhaftet bleiben zu müssen. Ja, selbst das Ent-Täuschen wird weniger bitter, denn ich kann heilfroh sein, dass ich mich nicht mehr täusche.

In diesem Prozess wird mir bewusst, warum etwas in mir ist und ein anderer die Macht hat(te), mich empfindlich berühren. Ich habe Mitgefühl für mich selbst und kann mir die Zuwendung, Aufmerksamkeit und Achtung schenken, die ich jetzt brauche. Das liegt in meiner Verantwortung.

Wenn ich dies verstanden habe, begreife ich auch, dass mein Gegenüber, ähnliche Beweggründen haben muss, welche genau, weiß ich ja (noch) nicht. Ich kann die Situation mit anderen Augen und anderem Verständnis betrachten. Ich bin mitfühlend und verstehe die Zusammenhänge. Selbst wenn sie sich mir (noch) nicht erschließen, weiß ich, dass alles seinen Grund hat, und kann hinterfragen, welche Bedürfnisse er/sie hat. Damit komme ich in einen verantwortungsvollen Umgang mit mir selbst UND meinem Umfeld. Ich bin jetzt in der Lage bewusst zu unterscheiden, wem oder was ich Energie gebe und wem oder was ich erlaube zu wachsen. Sind es negative Gefühle oder Wertschätzung, Verständnis und sogar Sinn?

Ich erlaube mir die Zeit und den Raum zu nehmen, um dies für mich zu klären und mir bewusst zu machen. Ich bin es mir wert, denn ich weiß, dass ich damit nicht nur meinen persönlichen Lebensraum kläre, verändere und veredle, sondern dass dies auch die Einladung für ein wertschätzendes und wertschöpfendes Umfeld ist.

Uns steht es frei, das alte Spiel mitzuspielen oder auszusteigen.
Wofür entscheiden Sie sich?

 

Herzliche Grüße aus Bonn von Susanne Barth

 


Vorschaubild: Bild von John Hain auf Pixabay

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