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Scheinbar

Manchmal, wenn meine Energiekurve auf Talfahrt ist, stelle ich mich ans Ufer meines Lebensflusses und schaue dem Fliessen einfach zu. Beruhigend, denke ich mir. Ich erlaube mir, auch mal Pausen zu haben, mich müde und erschöpft zu fühlen. Ja, sogar mein Fluß wird langsam, bemerke ich, er kommt ins Stocken. Scheinbar.

Oh je. Selbst meine Lebensgeister tanzen jetzt ihre eigenen Tänze - ohne mich, irgendwo - und ich fühl mich verlassen, ohne diese Lebendigkeit und Vitalität. Scheinbar.

Was soll’s, frag ich mich? und verhindere mit dieser scheinbar flappsigen Frage, dass mein vorübergehendes Tief sich zu einer Lebenergiekrise aufbauscht. Stattdessen erinnere ich mich:

Ich weiß um die Tiefen und scheinbare Abwesenheit von Lebensenergie.
Ich weiß, dass alles da ist, dass alles miteinander verbunden ist.
Ich weiß, ich kann mich immer auf mich verlassen, selbst wenn ich mich scheinbar vom Leben entferne.
Und ich weiß, was mir dann hilft, mich wieder mit dieser Energie zu verbinden.

Losgelöst von allem Wollen und Sollen, stelle ich mich an den Fluss, der durch meine Stadt fließt. Schaue dem Wasser, den Strudeln und der Strömung zu, höre den Klang der kleinen Wellen und spüre den Wind auf meiner Haut. Einfach ein Fluss, mein Freund der Rhein - da draußen - gibt mir Halt und führt mich sicher wieder in meine Energie zurück.

Jetzt bin ich dankbar. Alles andere als scheinbar.

 

SB

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